Rechtsfragen in der Jugendarbeit

Bei der Betreuung von Kindern und Jugendlichen gibt es verschiedenen rechtlichen Fragestellungen zu den Themen Aufsichtspflicht, Haftung, Jugendschutz und Sexualstrafrecht.

Thema Aufsichtspflicht

Die zunehmende Verrechtlichung aller Lebensbereiche macht auch vor der Jugendarbeit nicht Halt. Die Beschäftigung mit den für die Jugendarbeit relevanten Rechtsfragen wird daher für hauptamtlich und ehrenamtlich Tätige immer wichtiger. Von besonderer Bedeutung ist insoweit (insbesondere im Rahmen der Jugendgruppenleiterausbildung) die Auseinandersetzung mit den rechtlichen Anforderungen an eine ordnungsgemäße Erfüllung der Aufsichtspflicht. Gerade aufgrund der Vielgestaltigkeit und Komplexität der juristischen Fragestellungen fällt der Zugang zu den grundlegenden rechtlichen Wertungen oftmals schwer. Die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Erfüllung der Aufsichtspflicht sind zwar nach den jeweiligen Umständen des Einzelfalles zu beurteilen. Es gibt jedoch einige grundsätzliche Gesichtspunkte, die nach unserer Erfahrung zur Vermeidung unnötiger Haftungsrisiken in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen berücksichtigt werden sollten.

Thema Haftung

„Wer in der Jugendarbeit tätig ist, steht bereits mit einem Bein im Knast.“ Diese und ähnliche Halbwahrheiten kennt wahrscheinlich jeder, der mit Kindern und Jugendlichen arbeitet. Von Zeit zu Zeit erscheinen auch Presseberichte über Gerichtsverfahren wegen Aufsichtspflichtverletzungen. Und allzu gerne werden unliebsame Diskussionen mit dem pauschalen Hinweis auf „unkalkulierbare Haftungsrisiken“ beendet, wenn andere Argumente nicht überzeugen. Umso wichtiger sind Grundkenntnisse des deutschen Haftungsrecht für alle, die hauptamtlich oder ehrenamtlich in der Jugendarbeit tätig sind. Die Haftungsthematik betrifft die Frage, unter welchen Voraussetzungen die in der Jugendarbeit tätigen Akteure zivilrechtlich oder strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können.

Thema Jugendschutz

Das Anliegen des Schutzes von Kindern und Jugendlichen vor möglichen Gefahren ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und berührt die verschiedensten Lebensbereiche. Die Kinder- und Jugendarbeit ist insoweit in unterschiedlichster Weise mit entsprechenden Fragestellungen konfrontiert und muss in Debatten um Fragen des Kinder- und Jugendschutzes Position beziehen. Unabhängig von dieser Aufgabe als Interessenvertretung junger Menschen müssen in der Kinder- und Jugendarbeit tagtäglich bei Entscheidungen Gesichtspunkte des Kinder- und Jugendschutzes berücksichtigt werden.

Thema Sexualstrafrecht


Die Thematik des sexuellen Missbrauches von Kindern und Jugendlichen steht immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Die zunehmende Sensibilisierung für die Problematik führt deshalb bei entsprechenden „Warnsignalen“ inzwischen erfreulicherweise eher zu Nachfragen als früher. Wer mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, sollte daher darauf vorbereitet sein, dass seine Tätigkeit insbesondere unter diesem Aspekt kritisch beäugt wird. Vor diesem Hintergrund wird von Teamleitern und Jugendgruppenleitern die Kenntnis der grundlegenden Regelungen des Sexualstrafrechts und der Problemkonstellationen erwartet. Missverständliche Verhaltensweisen können leicht einen „bösen Anschein“ entstehen lassen und zu vermeidbaren (straf-)rechtlichen Problemen führen.